Veröffentlicht am 1. Mai 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Hörtest misst, bei welcher Lautstärke unterschiedliche Frequenzen gerade noch wahrgenommen werden – ähnlich einem Sehtest, nur für die Ohren.
- Ein Audiogramm zeigt auf zwei Achsen Frequenz und Lautstärke – je tiefer die Kurve verläuft, desto stärker der Hörverlust bei dieser Frequenz.
- Ab bestimmten gesetzlich festgelegten Werten im Ton- und Sprachaudiogramm besteht Anspruch auf Kostenübernahme durch die Krankenkasse.
„Dieses Audiogramm verstehe ich überhaupt nicht“ – ein Satz, den Hörakustiker häufig hören. Verständlich, denn auf den ersten Blick wirkt ein Audiogramm wie ein Diagramm aus dem Physikunterricht. Tatsächlich ist es aber deutlich einfacher zu lesen, als es zunächst aussieht.
Was ist ein Hörtest – und wozu dient er?
Ein Hörtest, fachlich Audiometrie genannt, ist eine präzise Messung der Hörfähigkeit. Man kann ihn sich wie einen Sehtest vorstellen, nur eben für die Ohren: So wie ein Optiker die passende Brillenstärke ermittelt, findet der Hörakustiker heraus, welche Töne gut und welche weniger gut wahrgenommen werden. Das Ziel eines Hörtests ist dabei nicht, jemanden zu erschrecken, sondern präzise herauszufinden, bei welchen Frequenzen Schwierigkeiten bestehen – als Grundlage für die passende Lösung.
Wie läuft ein Hörtest ab?
Zu Beginn steht ein kurzes Gespräch, in dem typische Fragen geklärt werden: Wann wurde ein nachlassendes Gehör erstmals bemerkt? In welchen Situationen fällt das Verstehen besonders schwer? Gibt es Hörprobleme in der Familie? Diese Angaben helfen später, das Testergebnis richtig einzuordnen. Anschließend folgt ein kurzer Blick in die Gehörgänge (Otoskopie), um sicherzustellen, dass beispielsweise kein Ohrenschmalz die Ursache für Beschwerden ist.
Im Zentrum steht die Reinton-Audiometrie: Über Kopfhörer werden verschiedene Pieptöne abgespielt, die es bereits bei sehr geringer Lautstärke zu erkennen gilt. Getestet werden dabei Frequenzen von 250 Hertz (sehr tief) bis 8.000 Hertz (sehr hoch) – denn das Gehör ist nicht bei allen Frequenzen gleich gut, oft werden tiefe Töne besser wahrgenommen als hohe.
Ergänzend kommt die Knochenleitungsmessung zum Einsatz, bei der ein kleiner Hörer hinter dem Ohr angelegt wird: Sie hilft zu unterscheiden, ob ein Problem im Mittelohr oder im Innenohr liegt.
Beim anschließenden Sprachtest werden statt Pieptönen einzelne Wörter vorgespielt und nachgesprochen – da Kommunikation im Alltag über Sprache und nicht über reine Töne stattfindet, bildet dieser Test die tatsächliche Alltagssituation besser ab als der reine Tonhörtest.
Am Ende werden die Ergebnisse gemeinsam besprochen und das Audiogramm verständlich erläutert. Der gesamte Termin dauert in der Regel rund 30 Minuten.
Das Audiogramm lesen: So einfach geht es
Ein Audiogramm funktioniert wie ein Koordinatensystem mit zwei Achsen:
- Horizontale Achse – Frequenz: Links stehen tiefe Töne wie Bässe oder tiefe Stimmen, rechts hohe Töne wie Vogelgesang oder helle Stimmen.
- Vertikale Achse – Lautstärke in Dezibel: Oben bedeutet leise – ein Ton wird bereits bei sehr geringer Lautstärke wahrgenommen –, unten bedeutet laut – ein Ton muss sehr laut sein, um überhaupt gehört zu werden.
Ein typisches Muster zeigt eine Kurve, die links oben verläuft (tiefe und mittlere Töne werden gut gehört) und nach rechts hin abfällt (hohe Töne werden schlechter wahrgenommen) – ein für viele Menschen mit altersbedingtem Hörverlust völlig normales Bild.
Normales Gehör
Alle Frequenzen werden im normalen Bereich wahrgenommen (0–20 dB). Sprache und Umgebungsgeräusche sind mühelos verständlich.
Was die Ergebnisse bedeuten
Die wissenschaftliche Grenze zwischen normalem Hören und einem Hörverlust liegt bei 20 Dezibel.
| Hörverlust in dB | Einstufung | Typische Auswirkung |
|---|---|---|
| bis 20 dB | Normalhörend | Keine relevanten Einschränkungen |
| 21–40 dB | Leichter Hörverlust | Gespräche gelingen, Hintergrundgeräusche bereiten Schwierigkeiten |
| 41–60 dB | Mittlerer Hörverlust | Telefonieren wird schwierig, Fernseher muss deutlich lauter gestellt werden |
| 61–80 dB | Schwerer Hörverlust | Sprache kann kaum noch ohne Hilfe verstanden werden |
| ab 81 dB | Hochgradiger Hörverlust | Nur noch sehr laute Geräusche werden wahrgenommen |
Wann übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Die gesetzliche Hilfsmittel-Richtlinie legt fest, ab welchem Hörverlust eine Versorgung medizinisch begründet ist. Maßgeblich sind zwei Werte:
- Im Tonaudiogramm muss der Hörverlust in mindestens einer Prüffrequenz zwischen 500 und 4.000 Hz bei mindestens 30 dB liegen.
- Im Sprachaudiogramm darf das Verstehen einsilbiger Wörter bei 65 dB Lautstärke höchstens bei 80 Prozent liegen.
Sind beide Kriterien erfüllt, besteht in der Regel ein Anspruch auf eine Hörgeräteversorgung. Diese Einschätzung muss niemand selbst treffen – der Hörtest zeigt unmittelbar, ob die Werte im förderfähigen Bereich liegen, die offizielle Verordnung stellt anschließend der HNO-Arzt aus.
Wie oft sollte ein Hörtest wiederholt werden?
Auch ohne konkreten Verdacht lohnt sich ein regelmäßiger Hörtest zur Vorsorge:
- Bis 50 Jahre: etwa alle zehn Jahre.
- Ab 50 Jahre: etwa alle drei Jahre.
- Bei bereits spürbaren Einschränkungen oder bestehender Versorgung: jährlich, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und das Hörgerät bei Bedarf neu einzustellen.
Der erste Schritt
Wer noch nie einen Hörtest gemacht hat, kann diesen ersten Schritt unkompliziert und kostenlos gehen – in rund 30 Minuten gibt es Klarheit, ganz ohne Verpflichtung zu einer weiteren Behandlung.

